Münchner Gedenkbuch - Ein Update

28.03.2014 12:47

Nachdem es im November stark danach aussah, dass die Bemühungen um ein öffentliches Gedenken der Münchner Euthanasieopfer am Datenschutz scheitern könnte, gab es mittlerweile Bewegung in der Diskussion, die hoffen lässt.

Wie mir Frau Professor Dr. Annette Eberle in einem Gespräch mitteilte, hat man sich zu einem Kompromiss durchgerungen. Im Münchner Gedenkbuch werden nun die Namen, das Geburtsdatum sowie das Sterbedatum und der Ort veröffentlicht. Der Euthanasiegrund wird nicht zugänglich gemacht. Grund dafür sind die nicht vereinbaren Interessen der Archivare und Juristen auf der einen Seite und dem Wunsch der Historiker und teils Nachkommen der Euthanasieopfer.

Die Archivare und Juristen argumentieren mit den "schutzwürdigen Belangen Dritter". Da die Ermordeten als erbkrank galten und damit Nachkommen bei öffentlicher Nennung der vollen Namen der Opfer 70 Jahre nach der Euthanasie damit stigmatisiert werden könnten.

Dagegen spricht ein anwachsendes Interesse der Nachkommengeneration am Schicksal der Vorfahren. Historiker argumentieren mit der Würde der Opfer, diese seien jahrzehntelang verschwiegen worden, daher sei es nun eine Art historischer Gerechtigkeit, sie in die Öffentlichkeit zu bringen. 

Dieser Kompromiss beseitigt natürlich nicht die Problematik der Datenschutzfrage, könnte aber Signalwirkung bei weiteren Gedenkbüchern anderer Städte und Gemeinden haben.

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