Projekt "Gedenkbuch für die Münchner Opfer der Euthanasie"

20.11.2013 13:30

Am Freitag, den 15.11.2013 fand in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig Maximilian Universität München eine Tagung zur Frage der Namensnennung der Münchner Opfer der NS-"Euthanasie" in einem Gedenkbuch statt. 
Ich verfolgte die öffentliche Veranstaltung auf Twitter mit großem Interesse und war am Ende doch ziemlich schockiert über das Ergebnis, wonach ein solches Gedenkbuch aus Rücksicht um die schutzwürdigen Belange der Hinterbliebenen "nur im geschützten Raum" denkbar wäre - so die Meinung der anwesenden Archivare. Die anwesenden Juristen vertraten die Meinung, dass datenschutzrechtliche Bedenken gegen eine Veröffentlichung sprächen.

Ich bin der Meinung der Historiker und Gedenkstättenarbeiter, dass es dringend an der Zeit ist, die Opfer ins Bewusstsein der Gesellschaft zu holen. Dies kann nur durch die Nennung ihrer Namen und die Aufarbeitung ihrer Biographie, soweit das überhaupt möglich ist, geschehen.
Unterstützung erhalten die Initiatoren des Projektes, die Arbeitsgruppe „Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus in München“ auch von Seiten des Zentralrates des Juden und besonders durch Frau Charlotte Knobloch.

Vielen Menschen ist wahrscheinlich heutzutage nicht bewusst, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Euthanasie geistig, psychisch und körperlich behinderter oder vermeintlich sozial auffälliger Menschen, wie dem 14 jährigen Augsburger Ernst Lossa, und der Shoa gibt. Das Euthanasieprojekt "Aktion T4" (benannt nach der Adresse Tiergartenstraße 4, in der die Aktion geplant wurde) galt bei den Nationalsozialisten als "Versuchslauf" für die spätere Endlösung. Hier wurden die verschiedenen Tötungsmöglichkeiten durchexerziert und ausprobiert.

Ich habe nun versucht, den Kontakt zwischen den Leitern der Arbeitsgruppe und den mir persönlich bekannten Mitgliedern des bayrischen Landtags herzustellen und bin gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird.

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